Fünf Jahrzehnte in die Vergangenheit nach Schleswig-Holstein im Norden von Deutschland führt uns dieser Film aus dem Jahr 1977. Er beschert uns kurze Eindrücke aus Rothenhusen, Mölln und Ratzeburg. Unsere filmenden Reisenden fuhren mit einem Mercedes durch die schöne Landschaft und stiegen immer wieder aus, um sich die Schönheit dieser historisch interessanten Orte aus nächster Nähe zu gönnen. Der Zeitgeist der Aufnahmen wird natürlich und vor allem durch die Mode, Autos, Fahrräder und sonstigen Fahrzeuge der damaligen Zeit vermittelt.

Rothenhusen ist eine 1595 von Lübeck befestigte mittelalterliche Zollstation und Fähre der Hansestadt Lübeck auf einer kleinen Insel am Nordende des Ratzeburger Sees im Naturpark Lauenburgische Seen, direkt am Ausfluss der Wakenitz aus dem See gelegen. Das alte Fährhaus in Rothenhusen ist im Film schön zu sehen. Die Geschichte des „rothen huses“ lässt sich bis in das Jahr 1274 zurückverfolgen. Zu jener Zeit erwarb der im Russlandhandel reich gewordene Kaufmann Bertram Mornewech ein an der Einfahrt in die Wakenitz gelegenes Fischwehr.

FILMDATEN

Ort: Schleswig-Holstein /
Deutschland
Zeit: 1977
Film: Super 8
Bildrate: 18 Bilder/Sek.
Ausschnitt: 2:27 Min.
Länge Original: 4 Min.
Original-Scan: 2K
Web-Video: 720p
Anmerkungen: Leichte Kornreduktion

1595 errichtete die Hansestadt Lübeck dort auf einer kleinen Insel eine Schanze mit Geschützen, um Übergriffe der Herzöge von Sachsen-Lauenburg abwehren zu können, sowie eine Zoll- und Fährstation. Nachdem die Befestigungsanlagen geschliffen waren, wurde das Haus dem Pächter der Wakenitzfähre überlassen. Das Gebäude diente dem Fährmann als Unterkunft. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es einen Schankbetrieb. Der Fährmann lebte von den Zoll-, ab 1806 von den Schankeinnahmen. Der Lübeckische Doppeladler an der Südseite des Fährhauses (Jahreszahl: 1583) dokumentiert die Bedeutung des Hauses, das seit 1968 unter Denkmalschutz steht.

Mölln liegt nicht nur landschaftlich reizvoll am Rande des Naturparks Lauenburgische Seen, sondern ist auch für eine historische Persönlichkeit bekannt. Auf Schritt und Tritt stoßen Besucher auf Till Eulenspiegel, der den Bewohnern laut Überlieferung einst so manchen Streich spielte. Der berühmte Narr soll im 14. Jahrhundert in Mölln die letzten Jahre seines Lebens verbracht haben. Heute können sich Besucher in der Möllner Altstadt auf die Spuren Eulenspiegels begeben. Startpunkt ist das historische Rathaus am Marktplatz aus 1373. Es beherbergt das Stadtmuseum. Gegenüber, in einem Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert, steht das Eulenspiegel-Museum.

Der Eulenspiegel-Brunnen hat eine Bronzestatue des Narren. Wer Daumen und Fußspitze der Figur reibt, dessen Wünsche gehen angeblich in Erfüllung. Ebenfalls am Marktplatz liegt die mittelalterliche St.-Nicolai-Kirche. Dort befindet sich ein älteres Denkmal für Eulenspiegel: In einer Nische des Kirchturms wurde 1544 ein Gedenkstein angebracht. Er zeigt den Narren mit Eule und Spiegel, seinen typischen Attributen. Sie stehen für Klugheit und Witz sowie dafür, dass der Narr den Menschen “den Spiegel vorhielt”. Charakteristisch für die Altstadt sind die gut erhaltenen Fachwerk- und Backsteinhäuser. Besonders sehenswert ist der Stadthauptmannshof. In dem Gebäude von 1414 residierten einst – als Mölln von Lübeck beherrscht wurde – die Stadthauptmänner. Zur Anlage gehören auch das ehemalige Schulhaus, ein Fachwerk-Reihenhaus und das Medaillongebäude von 1550.

Die Ratzeburger Altstadt liegt, nur durch Dämme mit dem Festland verbundenen, auf einer Insel, umgeben von vier Seen: Küchensee, Stadtsee, Domsee und dem großen Ratzeburger See. Wer sich für Kultur und Geschichte interessiert, findet in Ratzeburg zahlreiche historische Gebäude aus der mehr als 950 Jahre langen Geschichte der Bischofsstadt. Im Jahr 1154 gründete Heinrich der Löwe das Bistum Ratzeburg, im selben Jahr wurde der Grundstein für den Dom gelegt, der bis heute neben den Seen das Stadtbild Ratzeburgs prägt. Die imposante spätromanische Backsteinkirche ist eine der ältesten in Norddeutschland. Sehenswert ist auch der Kreuzgang des Domklosters, das sich nördlich an den Dom anschließt.

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

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