Ungarn und Österreich haben seit vielen Jahrhunderten eine bewegte gemeinsame Geschichte. Vor allem die Epoche der Habsburger-Monarchie, die mit dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) wenig ruhmreich zu Ende ging, beschert den Nachbarländern im Herzen Europas viele historische Parallelen. Doch im zurückliegenden 20. Jahrhundert wurde diese Geschichte und das Verhältnis zwischen Österreich und Ungarn auch durch schmerzhafte Jahrzehnte der Trennung geprägt.

FILMDATEN

Ort: Bruck/Leitha
und Raum Nickelsdorf
Zeit: 1961
Film: Normal 8 Kodak
Bildrate: 16 Bilder/Sek.  
Ausschnitt: 2:32 Min.
Länge Original: 4:05 Min.
Original-Scan: 2K
Web-Video: 720p
Anmerkungen: leichte Stabilisierung

Der Eiserne Vorhang, unüberwindbare Barriere zwischen Ostblock und Westen, verlief von den 1950er Jahren bis 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze. Sie zu passieren war – wenn überhaupt – nur mit hohem bürokratischem Aufwand, guten Beziehungen oder sehr guten Gründen möglich. Dennoch gab es Grenzverkehr, wie dieser von visualhistory.tv digitalisierte Privatfilm eindrucksvoll beweist. Die Beschriftung des Films weist auf das Entstehungsjahr 1961 hin.

Ansonsten wissen wir über den Amateurfilmer nichts, außer dass er sehr engagiert gewesen sein muss. Denn am Eisernen Vorhang zu filmen, war mutig. Aufnahmen von Grenzbalken, von den ungarischen Zöllnern bei der Arbeit, von endlos langen Stacheldrahtzäunen und bedrohlich wirkenden Wachtürmen waren streng verboten. Dennoch richtete er seine Kamera aus dem Auto – und das teilweise während der Fahrt – auf diese mittlerweile historischen Motive.

So entstand ein großartiges Zeitdokument aus einer zum Glück vergangenen Ära. Denn im Frühjahr 1989 und damit um einige Monate früher als in allen anderen Ländern des kommunistischen Ostblocks, fiel der Eiserne Vorhang an der südöstlichen Grenze Österreichs. Ungarn brachte den Stein ins Rollen, der bis zum November alle bis dahin hermetisch abgeriegelten Grenzen zwischen Ost und West in Europa niederriss.

Wer das nächste Mal frei und unbehelligt aus Österreich nach Ungarn reist, möge sich daran erinnern. Und vielleicht eine Träne für den verstorbenen Alois Mock vergießen, der als damaliger Außenminister am 27. Juni 1989 mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn einen Abschnitt des Stacheldrahtzauns nahe dem Grenzübergang Klingenbach/Sopron durchschnitt. Die Bilder haben viele noch vor Augen.

Harald Hofstetter

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

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