Am Morgen des 1. August 1976 – um 4:55 Uhr – geschah in Wien das Undenkbare. Die Reichsbrücke stürzte ein. Fast der gesamte Strombrückenabschnitt sackte ab und fiel in die Donau. Mit den Trümmern stürzten ein Gelenkbus der Linie 26A und ein privater Kombi ab. Der Fahrer des ansonsten unbesetzten Linienbusses hatte unglaubliches Glück, da das Fahrzeug auf den Resten der zerstörten Brücke stehenblieb und nicht unterging. Der Mann wurde wie durch ein Wunder unverletzt geborgen. Der Lenker des Kombis dagegen ertrank und war das einzige Todesopfer des Brückeneinsturzes.

FILMDATEN

Ort: Wien
Zeit: 1976
Film: Super 8
Bildrate: 18 Bilder/Sek.  
Ausschnitt: 2:32 Min.
Länge Original: 3:30 Min.
Original-Scan: 2K
Web-Video: 720p
Anmerkungen: Mittlere Stabilisierung
und leichte Kornreduktion

Dieser hauptsächlich vom linken (nördlichen) Donauufer aufgenommene und von uns digitalisierte Privatfilm dokumentiert die unwirklichen Eindrücke, die sich den Menschen wenige Stunden nach dem Unglück boten. Der gut erhaltene, nur leicht optimierte Film zeigt die Außenteile der Brücke, die ins Wasser hängen – dazwischen in den Fluten die Trümmer des abgestürzten Mittelteils mit dem Linienbus. Der südliche Pylon fiel auf ein ankerndes Passagierschiff und beschädigte es. Der nordseitige Pylon stürzte in das Überschwemmungsgebiet.

Der auf dem Film ebenfalls zu sehende Kaibrückenteil brach, stürzte aber nicht ins Wasser. Auf ihm befanden sich zum Zeitpunkt der Katastrophe ein VW-Fahrer und ein ÖAMTC-Mitarbeiter mit seinem Dienstauto. Die beiden konnten sich in Sicherheit bringen. Auch auf der Inundation Brücke brachen und senkten sich Träger samt Fahrbahn, stürzten jedoch nicht zusammen. Die niedrige Opferzahl war der frühen Uhrzeit am Sonntag zu verdanken. Man mag sich nicht vorstellen, wie viele Menschenleben an einem Wochentag oder zu einer späteren Uhrzeit zu beklagen gewesen wären.

Als – wie auf dem Film zu sehen – bereits hunderte Schaulustige die Donauufer bevölkerten, waren zerstörte Wasser- und Gasleitungen das größte Problem für Feuerwehr und Bundesheer. Danach begannen aufwendige und gefährliche Bergungs- bzw. Aufräumarbeiten. Die Ursache des Einsturzes wurde in einem 400-seitigen Gutachten dargelegt. Demnach war der Einsturz unvorhersehbar, da Wasser in einen Betonpfeiler eingedrungen war, was unter der Granitummantelung nicht zu sehen war. Durch die entstandenen Risse gab das Brückenlager nach und brachte die Brücke zum Einsturz.

Am Nachmittag desselben Tages erschütterte noch ein weiteres tragisches Ereignis die Nation. Österreichs Formel-1-Legende Niki Lauda überlebte einen schrecklichen Feuerunfall auf dem Nürburgring. So wurde der 1. August 1976 zu einem unauslöschlichen Datum in der historischen Erinnerungen Österreichs. Viereinhalb Jahre später, am 8. November 1980, wurde die neue Reichsbrücke eröffnet. Insgesamt sechs Fahrspuren, ein Rad- sowie ein Fußweg, dazu eine U-Bahnlinie (U1) führen seit damals aus der Leopoldstadt über den Fluss in die Donaustadt.

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

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