Ende November 1989 mündet die “Samtene Revolution” in der Tschechoslowakei in die Öffnung der Grenzen zu Österreich. Der Eiserne Vorhang fällt, nachdem das kommunistische Regime in Prag aufgegeben hat und sich der erstaunlich schnelle und gewaltfreie Wechsel vom Sozialismus zur Demokratie vollzog. Überall entlang der rund 450 Kilometer langen Grenze zwischen der CSSR und Österreich gehen die Grenzbalken hoch und strömen die Menschen zu Fuß, per Fahrrad oder in ihren Autos für einen ersten Ausflug in den Westen.

FILMDATEN

Ort: Gmünd (NÖ) und
Ceske Velenice
Zeit: Dezember 1989
Film: VHS
Bildrate: 25 Bilder/Sek.  
Ausschnitt: 3:36 Min.
Länge Original: 11 Min.
Original-Scan: 720
Web-Video: 720p
Anmerkungen: Mittlere Stabilisierung
und Rauschunterdrückung

Historische Szenen ereigneten sich auch in der niederösterreichischen Grenzstadt Gmünd, wo in den ersten Tagen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, genau am 16. Dezember 1989, dieser Privatfilm entstand. Er dokumentiert unter anderem die Arbeit der österreichischen und tschechoslowakischen Zöllner, die an den Grenzbalken zahlreiche Fußgänger und Autofahrer aus dem davor hermetisch abgeriegelten Nachbarland ins Waldviertel passieren lassen. Passanten beobachten auf der österreichischen Seite fast ungläubig das Geschehen.

Einige von ihnen machen sich auf den Weg in die benachbarte, damals tschechoslowakische Ortschaft Ceske Velenice. Aufnahmen vom Stacheldrahtzaun und Wachtürmen verdeutlichen die jahrzehntelange düstere Bedrohung an einer der tödlichsten Grenzen im Kalten Krieg. Offiziell kamen 129 Menschen beim Versuch, aus der Tschechoslowakei in den Westen zu fliehen, ums Leben. Die Dunkelziffer liegt höher. So gehen internationale Studien von bis zu 600 Toten an der Grenze zwischen der CSSR und Österreich aus. Auch eine große Anzahl von tschechoslowakischen Grenzbeamten bezahlte die Bewachung des Eisernen Vorhangs mit dem Leben – oft führte psychische Belastung zu Selbstmord.

Die beeindruckendsten Bilder bieten sich dann dem Amateurfilmer, als auf der tschechoslowakischen Seite Lastwagen mit Soldaten ankommen. Die Männer beginnen damit, den Stacheldrahtzaun abzubauen und auf die Fahrzeuge zu verladen. Auch Lautsprecher und andere Befestigungsanlagen werden entfernt. Der Eiserne Vorhang wird direkt vor den Augen der staunenden Menschen entfernt. Fotos werden geschossen, Stücke aus dem Stacheldraht geschnitten und als Souvenirs mitgenommen. Der Ostblock und dessen Trennung vom Westen ist Geschichte.

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

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