Der von Amateuren gedrehte Film ist ein spannendes Phänomen. Von Technik-Enthusiasten wird er mit viel Liebe und fast professionell gestaltet. Andere halten die Kamera einfach jedem vor das Gesicht, schwenken Motive hemmungslos in atemberaubendem Tempo ab, so dass der wohlwollendste Zuschauer seekrank wird. Die qualitative Spannweite von Schmalfilmen ist sehr weit.

Der Privatfilm spiegelt das normale Leben wider: Viele lange und langweilige Einstellungen, die spannenden Momente sind immer zu kurz. Unter- und Überbelichtungen oder Unschärfen machen das Betrachten des öfteren zum optischen Abenteuer. So mancher drückte sich vom Filmabend von Onkel Kurti – obwohl der gewillt war, seinen Lignano-Badeurlaub sogar auf drei 120-Meter-Rollen zu kürzen.

Filmprojektoren

Der Privatfilm wurde langsam zum Massenphänomen. In den 1920er-Jahren noch elitäres Spielzeug einiger weniger Reicher wurden in den 1930er-Jahren massenhaft Schmalfilmkameras verkauft. Reisen und private Momente wurden auf 8 mm und 9,5 mm Zelluloid gebannt – gelegentlich auch auf 16 mm. Mit der Einführung des Farbfilms wurden Erinnerungen bunt. Gerade Filmamateure griffen oft zum teuren Farbfilm, während die offizielle Filmberichterstattung der Wochenschauen schwarz-weiß blieb. Es ist faszinierend, wie viele farbige Privataufnahmen es aus der Vorkriegszeit gibt.

Im Zweiten Weltkrieg bannten Soldaten aller Fronten ihr Soldatenleben auf Film. Hier sieht man nichts vom Heroismus der Propagandafilme, die kunstvoll geschnitten und vertont durch die Zensur der Propagandaministerien gingen. Hier ergänzen sich beide Filmquellen auf eindrucksvolle Weise. In der Nachkriegszeit und mit der ersten großen Reisewelle in den 1950er-Jahre wurden Schmalfilmkameras zur beliebten “Beweismaschine” für Unternehmungen und Abenteuer.

Man filmte seine Reise, präsentierte den Daheimgebliebenen stolz seine Abenteuer beim Filmabend. Natürlich wurde auch das Auto, mit dem man etwa über die Alpen nach Italien fuhr, liebevoll in Szene gesetzt. Kameras waren bald allgegenwärtig, gingen auf immer weitere Reisen in immer exotischere Gefilde. Touristen, Weltenbummler, Forschungsreisende dokumentierten Erlebnisse und Abenteuer.

Rainer Hunger

Rainer Hunger

Historiker und Filmesammler, geboren am 25. September 1972.
Lebt in Wien, stammt aus dem Waldviertel (NÖ).

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