Am Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre erfüllte das neutrale Österreich eine wichtige Rolle als Transitland. In diesen Jahren wanderten mehr als 250.000 jüdische Emigranten und Emigrantinnen aus der damaligen Sowjetunion über Österreich nach Israel aus. Diskriminierung, Verfolgung und stattlicher Antizionismus in der Sowjetunion hatten diese jüdische Auswanderungswelle ausgelöst und beschleunigt.

FILMDATEN

Ort: Wien
Zeit: Um 1970
Film: Super 8 Kodak
Bildrate: 18 Bilder/Sek.  
Ausschnitt: 1:37 Min.
Länge Original: 2:29 Min.
Original-Scan: 2K
Web-Video: 720p
Anmerkungen: Leichte Stabilisierung
und leichte Kornreduktion

Der vorliegende von visualhistory.tv digitalisierte Privatfilm dokumentiert die Ankunft des Expresszuges Chopin mit sowjetischen Juden am Wiener Ostbahnhof (heute Hauptbahnhof). Der Bahnhof ist an den Türmen des Arsenals im Hintergrund und an der Gestaltung der Bahnsteige gut zu erkennen. Die Fahrplananzeige auf dem Bahnsteig weist auf den Chopin und dessen Route zwischen Moskau über Hohenau nach Wien hin.

Dieser Zug brachte jüdische Auswanderer in die nahe des Eisernen Vorhangs gelegene österreichische Hauptstadt. Unsere Recherchen (Quelle: “Kreisky Archiv – Erinnerungsort Wien”) ergaben, dass die jüdischen Emigranten in Wien in der Regel von der Jewish Agency (offizielle Einwanderungsorganisation) empfangen wurden. Danach brachte man sie mit Bussen in das Durchgangslager Schönau. Die Abfahrt der Busse vom Ostbahnhof mit Polizeischutz (Wagen der Gendarmerie) ist auf diesem Film zu sehen. Nach einigen Tagen in Schönau wanderten die jüdischen Emigranten nach Israel aus.     

Zusatzinformation “Schönau-Krise” 1973 (Auszug aus “Kreisky Archiv – Erinnerungsort Wien):  

“Am 28. September 1973 geriet Österreich in das Fadenkreuz des Nahostterrors. Palästinensische Terroristen überfielen einen Zug mit sowjetischen jüdischen AuswanderInnen in Marchegg, nahmen drei EmigrantInnen und einen österreichischen Zollwachebeamten als Geiseln und forderten die sofortige Schließung des Lagers Schönau. Bundeskanzler Kreisky erreichte die Freilassung der Geiseln und ließ die Terroristen nach Libyen ausfliegen. Das von der „Jewish Agency“ verwaltete Durchgangslager Schönau wurde geschlossen. Diese Entscheidung brachte Kreisky seitens Israel den massiven Vorwurf ein, vor dem Terror kapituliert und sich einer zu stark proarabischen Politik verschrieben zu haben. Sein Verhältnis zur israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir kühlte nachhaltig ab. Dem Wunsch der arabischen Staaten, den jüdischen Transit durch Österreich grundsätzlich zu unterbinden, kam Kreisky jedoch nicht nach.”

Harald Hofstetter

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

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