Am Sonntag, den 21. Dezember 1975, stürmen sechs Terroristen um 11.45 Uhr das Gebäude der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) am Dr.-Karl-Lueger-Ring in Wien. Die nachfolgende Geiselnahme während der OPEC-Ministerkonferenz hält die Welt und Österreichs Hauptstadt zwei Tage in Atem. Das Terror-Kommando tötet drei Menschen und erzwingt die Verlesung einer antiisraelischen Erklärung im Radio. Angeführt wird die Gruppe “Arm der arabischen Revolution” vom venezolanischen Terroristen Ilich Ramirez Sanchez, alias “Carlos, der Schakal”.

FILMDATEN

Ort: Wien
Zeit: 1975
Film: Super 8
Bildrate: 18 Bilder/Sek.  
Ausschnitt: 2:09 Min.
Länge Original: 4 Min.
Original-Scan: 2K
Web-Video: 720p
Anmerkungen: Mittlere Stabilisierung
und leichte Kornreduktion

Dieser von einem österreichischen Sicherheitsbeamten gedrehte Film zeigt bisher unveröffentlichte Szenen vom Tatort. In den vom Ansturm der Terroristen betroffenen Gängen und Räumlichkeiten des OPEC-Gebäudes sieht man die Spuren des Angriffs. Einschusslöcher sowie Granatsplitter in Türen und Wänden dokumentieren das gewaltsame und tödliche Vorgehen der Terroristen. Auch in Glasscheiben und in einer Aufzugkabine finden sich Einschüsse und Detonationsspuren.

Drei Todesopfer

Neben drei Palästinensern gehören der Terrorgruppe die deutschen Linksextremisten Gabriele Kröcher-Tiedemann und Hans-Joachim Klein an. Ein österreichischer Polizist und ein irakischer Sicherheitsbeamter werden beim Sturm auf die OPEC-Zentrale getötet. Das dritte Todesopfers, ein libyscher Delegierter, wird nach Abzug der Terroristen gefunden. Beim Versuch der Polizei, das Gebäude zu stürmen, wird ein österreichischer Kriminalbeamter und der deutsche Terrorist Klein verletzt.

Mit Sprengstoff und Handgranaten drohen die Geiselnehmer das Gebäude in die Luft zu sprengen und fordern die Bereitstellung einer AUA-Maschine. Im Kommunique, das im Radio in französischer Sprache verlesen werden muss, kritisiert die Gruppe die Friedenspolitik arabischer Staaten gegenüber Israel, erklärten den Iran zum Agenten des amerikanischen Imperialismus und fordert die Nationalisierung des Erdöls. Im Falle der Nichterfüllung der Bedingungen drohen die Geiselnehmer damit, Geiseln zu erschießen.

Terroristen ausgeflogen

Bundeskanzler Bruno Kreisky entscheidet in der Nacht auf 22. Dezember, die Terroristen ausfliegen zu lassen. In der Früh bringt ein Postautobus das Terror-Kommando und 33 Geiseln zum Flughafen Schwechat, wohin auch der schwer verletzte Klein aus dem AKH gebracht wird. Die in Österreich wohnhaften OPEC-Mitarbeiter sind zuvor freigelassen worden. Ursprünglich sind rund 70 Personen – darunter elf Öl-Minister der OPEC-Länder – in Geiselhaft genommen worden. Für heftige Kritik sorgt, dass sich Carlos am Flughafen mit einem Händedruck vom österreichischen Innenminister Otto Rösch verabschiedet.

Mit der DC-9-Maschine fliegen die Terroristen nach Algerien, wo die nichtarabischen Geiseln freigelassen werden. Beim zweiten Stopp in Tripolis kommen die Ölminister Algeriens und Libyens frei. In Algier, wo die Terroristen am 23. Dezember erneut landen, werden die beiden letzten Geiseln – der saudi-arabische und der iranische Erdölminister – freigelassen. Vermutlich werden hohe Summen an Lösegeld bezahlt. Die Terroristen reisen wenig später nach Libyen aus.

Carlos wird 1994 im Sudan verhaftet und an Frankreich ausgeliefert, wo er zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Kröcher-Tiedemann wird 1977 an der Schweizer Grenze festgenommen und nach zehnjähriger Haft an Deutschland ausgeliefert. Ein Kölner Landgericht spricht sie 1990 von der Mordanklage im Zusammenhang mit dem Anschlag aus Mangel an Beweisen frei. Die Identität der drei anderen Mitglieder des Terrorkommandos kann nie geklärt werden.

Harald Hofstetter

Harald Hofstetter

Journalist, geboren am 7. Mai 1976.
Lebt in Wien, stammt aus Gänserndorf (NÖ).

Zur Biografie

Alle Beiträge anzeigen

FILMDIGITALISIERUNG

Kunden aus Europa und Übersee vertrauen auf visualhistory.tv, wenn es um Digitalisierung und Optimierung ihrer Privatfilme geht.

MEHR ERFAHREN

Social Media

Folgen Sie uns auf Social Media!