Team: Rainer Hunger

Geboren wurde ich 1972 in Allentsteig im Waldviertel. Ich teile das Schicksal meines Freundes und Kollegen Harald Hofstetter, ein Lehrerkind zu sein. Von klein auf faszinierte mich alles Historische und mein Interesse wurde von meinen Eltern gefördert. Ich hatte das große Glück direkt neben dem beeindruckenden Schloss Wildberg in dem wunderbaren Markt Messern aufzuwachsen. Burgen und Schlösser waren bevorzugte Ausflugsziele, Ruinen waren Abenteuerspielplätze und Forschungsobjekte. Die Vergänglichkeit von Orten war am Truppenübungsplatz Döllersheim/Allentsteig abzulesen: Über 40 Dörfer wurden hier ab 1938 entsiedelt, um für einen der größten Truppenübungsplätze der Wehrmacht Platz zu machen.

Dass die Welt alles andere als grenzenlos ist, erfuhr ich bei unseren Ausflügen zum Eisernen Vorhang, der entlang der Grenze zur Tschechoslowakei verlief. Da winkte schon einmal ein Grenzsoldat oder Kolchosenbauer herüber – zwischen uns Stacheldraht und in Sichtweite immer mindestens ein Wachturm. Bis heute hat mich die Perversion von tödlicher Systemgrenze mitten durch einen Kulturraum in Zentraleuropa nicht losgelassen. Ein Großteil meiner Forschungs- und Sammlertätigkeit dreht sich um das Thema Grenze.

Nach der Matura ging es zum Bundesheer. Ich entschied mich für die Reserveoffizierslaufbahn. Der Eiserne Vorhang war gerade gefallen, die Berliner Mauer offen. Es wehte der “Wind of Change” durch Europa. Offene Grenzen, Chancen, Träume und viel Naivität. Im Jänner 1991 war ich an der burgenländisch/ungarischen Grenze stationiert. Der Strom der illegalen Grenzgänger wuchs und das Bundesheer assistierte der Polizei im Grenzgebiet. Beim Patrouillieren hatte man viel Zeit, über Migration und deren Motive nachzudenken.

Ende Juni 1991 fand ich mich unter der Grenzbrücke in Bad Radkersburg wieder. Der jugoslawische Bürgerkrieg war an der Grenze zu Österreich losgegangen. Die Kampfhandlungen an der Grenzstation in Gornja Radgona, gleich auf der anderen Seite des Grenzflusses Mur, werde ich nicht vergessen. Die Luftraumverletzungen der jugoslawischen MIGs, die Zerstörungen, der sinnlose Tod junger Soldaten, das Chaos, aber auch das professionelle Vorgehen des oft belächelten österreichischen Bundesheeres bleiben mir in Erinnerung. Eine Sammlung von Querschlägern, die über die Grenze geflogen kamen, erinnert mich noch 30 Jahre später an den Wahnsinn an der Grenze. Der “Wind of Change” war auch blutig.

Meine Studien widmete ich der Kunstgeschichte und der Zeitgeschichte. Über politische Plakate und  die Fotografie entdeckte ich das (wissenschaftliche) Interesse am Film als Quelle. Spielfilme interessierten mich kaum. Auch an zeitgeschichtlichen Ikonen der diversen Wochenschauen hatte ich mich damals schon in zahlreichen TV-Dokumentationen sattgesehen. Also musste etwas Neues her. Der Privatfilm öffnete mir ein ganzes Universum an visuellen Quellen und ein Chaos an optischen Eindrücken, das geordnet und bewertet werden musste.

Ich begann Privatfilme aller Formate zu sammeln und recherchierte die Hintergründe und deren Entstehung – soweit das möglich war. Die Filmsammlung wuchs schnell an. Heute sind es ungefähr 2.000 Rollen. Ich zerlegte massenweise Filmprojektoren und Videokameras, um meine ersten Überspielsysteme zu bauen, verzweifelte an Bildraten, Blenden und Computern. Irgendwann hat es dann geklappt, und (Film-)Technik wurde zu meiner nächsten Leidenschaft.

Nach dem Ende meines Studiums arbeitete ich bei einem Regionalsender, wo ich meine technischen Kenntnisse in der Fernsehtechnik vertiefen konnte. Dann, als selbständiger Historiker, arbeite ich bei zahlreichen Ausstellungsprojekten mit. 2003 gründete ich meine visualhistory.tv als Firma mit Gewerbeschein. Unterrichtsmedien und kleinere Dokumentionen wurden produziert. Der Schwerpunkt lag mehr und mehr am Überspielen analoger Filme auf digitale Medien.

Über die Jahre wuchs die Filmsammlung, die das Interesse von Film- und Fernsehproduzenten fand. Parallel flog ich durch die Weltgeschichte, um mit Protagonisten, die “große Geschichte” schrieben, zu diskutieren und mit “kleinen Leuten” zu sprechen, die unter “großer Geschichte” zu leiden hatten. Ich diskutierte u.a. mit Sergej Chruschtschow Jr. und mit US-Aufklärungspiloten über die Kubakrise. Und dann in Havanna mit kubanischen Veteranen. Zahlreiche Zöllner und Grenzsoldaten am Eisernen Vorhang erzählten mir ihre Sicht der Dinge und Vertriebene ließen mich an ihrem Schicksal teilhaben.

In Nordirland traf ich Friedensnobelpreisträger und verurteilte Terroristen. Auch hatte ich das Vergnügen mit Gregor Gysi über das Phänomen “Beatles” in der DDR sprechen zu können – ein rhetorischer Hochgenuss! Mit Justin Hayward, dem Leadsinger der berühmten Moody Blues, sprach ich über seine Erlebnisse in der CSSR während der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 – und natürlich über die Bedeutung und Aussage seines Welthits “Nights in White Satin”.

Durch Einladungen nach Moskau, Washington, Cambridge, Prag, Brünn oder Berlin lernte ich im Laufe der zeit zahlreiche internationale Historiker-Kollegen kennen, von denen einige heute meine Freunde sind. Ich liebe und lebe Geschichte. Dass durch die unschätzbare Hilfe und Kompetenz meines Freundes und Kollegen Harri Hofstetter unser Filmarchiv jetzt online gehen kann, ist meine ganz große Freude!

FILMDIGITALISIERUNG

Kunden aus Europa und Übersee vertrauen auf visualhistory.tv, wenn es um Digitalisierung und Optimierung ihrer Privatfilme geht.

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